Gestern Abend fand in der Rothaus-Arena die Bürgerinformation und -diskussion zu einem möglichen Stadion-Neubau am Rande des Flugplatzgelände (Wolfswinkel) statt. Knapp 1000 Bürger – vor allem Bewohner des Stadtteil FR-Mooswald und Nutzer des Freiburger Flugplatzes, aber auch sehr viele Befürworter eines Stadions am Wolfswinkel- kamen in die Messehalle, um der Veranstaltung beizuwohnen. Für unsere Initiative „Stadion in Freiburg“ brachte der Abend wenig neue Erkenntnisse. Waren wir schon davor der Meinung, dass der Wolfwinkel der beste aller potentiellen Stadion-Neubau-Plätze in Freiburg ist, bestärken uns die gestern gehörten Gegenargumente in der Ansicht, dass ein Stadion-Neubau an diesem Standort durchaus realisierbar ist und mögliche Probleme auch lösbar sind.

Die gestrige Diskussion war geprägt von Vorwürfen der Stadion-Gegner, die die erstellten Gutachten anzweifelten, den Experten fehlende Unabhängigkeit vorwarfen und der Stadt unterstellten, dass eine Entscheidung Pro-Wolfswinkel längst getroffen sei. Ein Vertreter der Flugplatz-Nutzer hielt eine Rede, die jedem klarmachte, dass es den Fliegern nicht um Argumente, sondern eher um populistische Aussagen geht. Gerade hatte der Gutachter zum Beispiel noch erklärt, dass Organtransport-Flugzeuge auch bei einem Stadion-Neubau noch landen können, da wurden von den Flugplatz-Vertretern schon Ängste geschürt, dass dringend benötigte Organe in Zukunft nicht mehr in Freiburg ankommen und Transplantationen nicht mehr durchgeführt werden können. Der Gutachter musste daraufhin erneut bestätigen, dass die Einschränkungen für Organtransport-Flugzeuge lediglich theoretischer Natur sind. Ein Hin-und-Her, das den Abend in die Länge zog und dieser dadurch erst nach 5 Stunden zu Ende ging.

Überhaupt liegen die Einschränkungen für die Flieger bei gerade mal 90 Stunden im Jahr. Das ist eine verschwindend geringe Zahl, betrachtet auf die 8760 Stunden, die ein Jahr hat. Auch die weiteren Sorgen der Flugplatz-Nutzer scheinen – passenderweise – eher aus der Luft gegriffen: Ohne die Segelflieger könne der Wirtschaftsbetrieb des Flugplatzes ins Wanken kommen – und  damit überhaupt keine Zukunft mehr haben. Dazu Otto  Neideck: „Der Flugplatz ist kein Wirtschaftsbetrieb im eigentlichen  Sinn. Dann hätten wir in dieser  Stadt auch nicht elf Schwimmbäder – von  denen trägt sich nämlich auch  keins. Das ist für uns überhaupt kein  Thema. Der Flugplatz hat eine  Betriebsgarantie bis 2034.“ Ein Redner stellte fest, dass eine Straßenbahn-Linie entlang der Madisonallee das Sicherheitsproblem der Flieger noch weiter verschärfen würde. Wenn dieser Herr auf dem Weg zur Messe von Süden her angefahren wäre, hätte er vielleicht gesehen, dass sich besagte Straßenbahn-Linie bereits im Bau befindet. Unabhängig davon, ob in einiger Zeit ein Stadion-Neubau erfolgt oder nicht. Es bleibt festzuhalten, dass der Flugbetrieb am Freiburger Flugplatz – trotz eines Stadions nebenan – weitergehen kann. Selbst für die Segelflieger scheint ein Verbleib nicht ausgeschlossen.

Nach den Flugplatz-Anhängern kamen die Natur- und Artenschützer an die Reihe. Wer bislang nicht wusste, was ein Magerrasen ist, der weiß es spätestens seit gestern. Auch die Dohle und die Beißschrecke kamen zur Sprache. Kurz: Die Gutachten haben auch beim Natur- und Artenschutz kein KO-Kriterium bestätigt, welches einen Stadion-Neubau am Flugplatz gefährden könnte. Ein weiterer Stadion-Neubau-Gegner beschwor ein Sterbe-Szenario herauf. Wenn das Stadion gebaut wird, würden in Freiburg pro Jahr 3 Menschen in Folge der Klimaerwärmung sterben.

Weiter ging es dann um die Anwohner und das Thema Lärm: Das Gutachten ergab die geringe Überschreitung der Grenzwerte lediglich bei Spielen, die über 22 Uhr hinausgehen. Dies betrifft eigentlich nur internationale Spiele in der Euro- oder Champions-League. Wie oft dies im letzten Jahrzehnt in Freiburg vorkam, wissen wir alle. Der Redner der Bürgerinitiative der Anwohner offensichtlich nicht – jedenfalls überzog er trotz erheblichem Unmut aus dem Publikum seine Redezeit um Längen, um sein „Worst-Case“-Szenario einer regelmäßigen Champions-League-Teilnahme des SC Freiburg dazulegen. Eine weitere Anwohnerin meldete sich zu Wort, dass Ihr versprochen worden sei, dass im Fall eines Stadion-Neubaus der Wolfswinkel für den Verkehr gesperrt wird. Nun sollen entgegen diesem Versprechen doch einzelne Fahrzeuge durch den Wolfwinkel fahren – und zwar Rettungsfahrzeuge. Die Dame schien dafür überhaupt kein Verständnis zu haben. Eine längere Diskussion darüber erübrigte sich zum Glück, schließlich sind Rettungsfahrzeuge im Fall eines Falles ohnehin von der Straßenverkehrsordnung befreit. Wer das Haar in der Suppe sucht, der findet es meist auch. In diesem Fall allerdings eher eine Haarspitze – die wir in diesem Fall moralisch lieber nicht bewerten wollen.

Gegen Ende der Veranstaltung kamen dann doch noch die Stadion-Befürworter zu Wort. Ein Sprecher unserer Initiative versuchte den Anwohnern die Ängste zu nehmen, indem er klarmachte, dass die Freiburger Stadion-Besucher nicht als schlägernde Hooligan-Horden bekannt und von allen ein nachbarschaftliches Verhältnis gewünscht sei. Die Rede erhielt viel Beifall – nicht nur von den anwesenden SC-Fans. In verschiedenen nachfolgenden Einzelgesprächen mit Anwohnern konnten diesen einige Ängste und Sorgen genommen werden, da bei vielen die Vorstellungen über Freiburger Fußball-Fans nicht ganz der Realtität entsprechen. Schließlich zeigte sich, dass längst nicht jeder Mooswälder ein Stadion-Gegner ist. Viele freuen sich auf einen neuen Nachbar – den SC Freiburg.

Wir denken daher nach wie vor, dass der Standort am Wolfswinkel für einen Stadion-Neubau am besten geeignet ist!

7 Kommentare
  1. Gads sagte:

    Ich finde es gibt so viel wichtigere Dinge als ein modernes großes teures Stadion wofür die Staat Geld ausgeben könnte da wir schon ein wunderschönes Stadion haben wäre es nur Geld Verschwendung und ich bin seit Jahren bei jedem Heimspiel dabei höchstens 2 mal im Jahr ist das mage Solar Stadion ausverkauft und ich finde wir brauchen kein größeres Stadion. Man sieht es an hoffenheim – dort macht’s sicherlich kein Spaß im Stadion zu sitzen obwohl hoffenheim ein überragendes Stadion hat aber es ist nicht mal die hälfte belegt von den Plätzen die zu Verfügung stehen — wollen wir auch so ein Feeling haben?
    Und was bring ein neues Stadion außer dass Millionen rausgeschmissen wird diese eigentlich viel besser verwendet werden könnte nur damit die vip eine richtige Lounge haben im neues Stadion diese im mage Solar im Moment nicht der fall ist und natürlich dass die Spieler die schon genügend tauschend im Jahr verdienen ein noch besseres Stadion bekommen ?!?
    Ich liebe das mage Solar Stadion es verkörpert Freiburg. Ich liebe ihren Standort und die Stimmung im Stadion und ich liebe es im Sommer anschließen in Strandbad gehen zu können und ich hoffe es wir kein Stadion gebaut welches nicht zu Freiburg und zu der Philosophie (von der alle reden) von Freiburg entspricht gebaut wird.
    Und es wäre zu schade für das ganze Geld was ausgegeben wird weil wir schon ein wunderschönes dreisam Stadion haben mit tollen Geschichten und Erinnerungen die wir in diesem Stadion verbracht haben

    • luke sagte:

      @ gads
      wenn du das alte so liebst – wie wahrscheinlich die meisten… – warum dann nicht den richtigen Stadionnamen verwenden?
      viell weil ihn nicht kennst ?! und die sc treue nur niedergeschrieben ist ?
      es ist übrigens allseits bekannt das spielergehälter an die stadionkapazität gekoppelt sind 😉

      • Felowatsch sagte:

        @luke erstmal kommentar zu ende lesen bitte 😉
        @gads hast eig. mit allem recht aber auf lange sicht ist das dreisamstadion wohl leider nicht die richtige lösung. Ein halbleeres stadion mag (auch von den befürwortern) keiner haben aber man wird schon eine möglichkeit finden, dass das nicht passiert.

    • Initiative Stadion in Freiburg sagte:

      Hallo Gads,

      auch wir lieben das Dreisamstadion in seiner jetzigen Form, genau wie die schöne Lage im Dreisamtal und die Erinnerungen an all die guten und schlechten Momente, die wir dort erlebt haben.

      Wir müssen die Stadionfrage aber auch realistisch betrachten. Baumaßnahmen muss es in jedem Fall geben. Die Probleme am aktuellen Stadion sind ja allseits bekannt. Man denke z.B. an die schlechte Situation im Gästeblock oder an die brüchige Haupttribüne. Es mangelt an billigen Sitzplätzen und auch ein paar mehr Stehplatzkarten würden in Freiburg sicherlich sofort ihre Abnehmer finden. Dazu kommen der schiefe Platz und die vielen weiteren Mängel, die in Zukunft eher mehr als weniger werden. Und wenn die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, dann hätte das neue Stadion dort mit dem aktuellen Dreisamstadion nicht mehr viel zu tun. Dafür wären sie aber um einiges teurer als ein Neubau.

      Wir sehen ein Stadion im Wolfswinkel daher als beste Alternative zum jetzigen Standort. Er ist ähnlich stadtnah gelegen wie das Stadion an der Schwarzwaldstraße. Zudem wäre eine super Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben.

      Als SC Freiburg-Fans müssen wir auch immer mal mit ein paar unattraktiven Spielen in der zweiten Liga rechnen. Gerade dann spielt eine gute Infrastruktur im und rund ums Stadion eine wichtige Rolle. Damit meinen wir garnicht unbedingt die Logen und VIP-Plätze, sondern eine gute Sicht aufs Spielfeld von allen Plätzen (gerade auch für Gästefans), eine problemlose Erreichbarkeit, egal ob zu Fuß, Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

  2. Lele sagte:

    Zur nicht vollen Hütte: Es gibt auch durchaus viele Menschen, die öfters ins Stadion gehen würden, wenn die Infrastruktur besser wäre. Viele kommen auch von außerhalb mit dem Auto und haben einfach keine Lust sich stundenlang durch die Stadt zu quälen. Deshalb denke ich, dass ein Stadion mit 30000 Plätzen und besserer Erreichbarkeit durchaus auch in Freiburg voll zu bekommen wäre…

    • esceef_fn sagte:

      das können dann aber nur Fans sein, die vom Westen kommen.
      Wir kommen aus östlicher Richtung zum Stadion (vom Bodensee) und sind z.Z. froh, dass wir NICHT auch noch durch die Stadt müssen, um das Stadion zu erreichen. Also nicht nur ein Lage im Westen ist das Optimum für viele.

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